1917 - l'Année incertaine

1917, das "unsichere Jahr" Von nun an schlagen sich die Soldaten beider Seiten für einige Dörfer oder einen Bergkamm. Die Mutlosigkeit der Regierungen, die Verwirrung der Truppen, die Erschöpfung der Kriegsmaschine und die Ungeduld der Bevölkerung charakterisieren den Eintritt in dieses "wirre Jahr".
  • Amerikanische Soldaten

    Amerikanische Soldaten. Quelle : SHD

  • Kanada - Gedenkstätte in Vimy

    Kanada - Gedenkstätte in Vimy. Quelle : MINDEF/SGA/DMPA - J. Robert

  • Briefmarke mit dem Bild von Georges Guynemer

    Briefmarke mit dem Bild von Georges Guynemer. Quelle : Werk des Achille Ouvré - Nach einem Gemälde von Lawrence - Musée de l'Armée - Paris

  • Ein Schneider - Panzer aus dem Panzermuseum von Saumur, der am 11. November 1997 unter dem Arc de Triomphe ausgestellt wurde.

    Ein Schneider - Panzer aus dem Panzermuseum von Saumur, der am 11. November 1997 unter dem Arc de Triomphe ausgestellt wurde. Quelle : MINDEF/SGA/DMPA - J. Robert

  • 2. Division, die Dünen in der Nähe von la Panne, Februar 1917

    2. Division, die Dünen in der Nähe von la Panne, Februar 1917. Quelle : MINDEF/SGA/DMPA

  • Athen im Juli 1917

    Athen im Juli 1917. Quelle : MINDEF/SGA/DMPA

  • Clémenceau an der Front 1917

    Clémenceau an der Front 1917. Quelle : MINDEF/SGA/DMPA



Die Verlängerung des Krieges und das Ausbleiben eines entscheidenden militärischen Ergebnisses führen in beiden Lagern zu einer moralischen, sozialen und politischen Krise. Der Austritt Russlands ermöglicht es den Deutschen, sich auf die Westfront zu konzentrieren. Aber der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg bringt den Alliierten den Vorteil der amerikanischen Industriemacht und frischer Truppen, auch wenn diese nicht sofort einsatzbereit sind. An der Front überwältigt die Müdigkeit die Soldaten. Eine moralische Krise, begleitet von Streiks und Demonstrationen erfasst die Bevölkerung. Die Preissteigerungen, die Verknappung, die schwierigen Arbeitsbedingungen, die Luftangriffe, die Trauer unterminieren die "Heimatfront" in Österreich und in Deutschland, wie auch in den Ländern der Entente, und schaffen ein günstiges Klima für die ersten Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV. und dem neuen österreichischen Kaiser, Karl I. In Deutschland will die Oberste Heeresleitung auf die verlustreichen Kämpfe an der Westfront verzichten und Großbritannien durch die Unterbrechung der Seeverbindungen mit Amerika zur Aufgabe zwingen, selbst um den Preis eines Konflikts mit den Vereinigten Staaten. Wilhelm II, der über eine Furcht erregende U-Bootflotte verfügt, ordnet am 1. Februar 1917 den totalen U-Bootkrieg an. Die alliierte Marine bekommt die Folgen zu spüren, aber die Einrichtung von Konvois, die Verbesserung der Waffen für den Kampf gegen U-Boote und der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten am 6. April lassen die Kurve der Verluste wieder fallen.

Der Handelskrieg ist für Deutschland verloren, denn es kann nicht mehr U-Boote herstellen als von den Alliierten versenkt werden. Nach der Wiedereinnahme von Douaumont im Dezember 1916 geht General Nivelle, Nachfolger des abgesetzten Generals Joffre an der Spitze der französischen Streitkräfte, wieder in die Offensive. Zwischen Soissons und Reims, auf den Bergen, deren Krone der Chemin des Dames bildet, will er seine Taktik des "rollenden Sperrfeuers" der Artillerie wieder anwenden, mit deren Hilfe das Vorrücken der Infanterie eingeleitet wird. In der Überzeugung, dass er die Front durchbrechen kann, widersetzt sich Nivelle Front der Skepsis einiger politischer und militärischer Verantwortlicher, z.B. General Pétain. Er setzt sein Projekt trotz des Rückzugs der Deutschen auf die doppelte befestigte "Hindenburg" - Linie durch. 54 Divisionen mit Unterstützung von mehr als 5300 Kanonen, 1930 schweren Geschützen und 128 Panzern, die zum ersten Mal eingesetzt werden, sollen diese Befestigungslinie angreifen. Die Vorbereitung durch die Artillerie beginnt am 2. April 1917. Am 9. April nehmen die Briten Arras ein und die Kanadier den Kamm von Vimy. Am 16. April greifen die Franzosen ihrerseits an. Aber die Deutschen sind über ihren Plan informiert. Trotz der Bombardierungen misslingt die Offensive vollkommen: die Franzosen stehen intakten Maschinengewehrnestern gegenüber, die Panzer können nicht vorrücken. An diesem ersten Tag sind die Verluste sehr hoch: fast 20000 Tote. Nivelle bleibt hart und lässt erneut angreifen, aber seine Autorität ist dahin. Von Unterhändlern und dem Kriegsminister, Paul Painlevé, wird der Abbruch der Operationen gefordert. Die französischen Streitkräfte nehmen die Mühle von Laffaux, das Plateau von Craonne, kämpfen auf den Bergen der Champagne und können sich in weniger exponierten Stellungen verschanzen. Aber sie haben zwischen dem 16. April und Anfang Mai 147000 Männer verloren, davon sind 40000 gefallen.

Das Leben der Poilus (Frontsoldaten), Unruhen und Reformen Bei den Truppen herrscht erneut Verwirrung. Seit dem 17. April gibt es Gehorsamsverweigerungen und Demonstrationen. Disziplinlosigkeiten breiten sich aus und greifen bis Juni auf zwei Drittel der französischen Truppen über. Mit "Soldatenstreiks" werden unnötige und wiederholte Massaker verweigert. In ihnen drücken sich auch die Bedürfnisse der Soldaten aus: Verbesserung der Quartiere, der Nahrung, der Organisation des Urlaubs. Dabei lassen sich die "Streikenden" nicht wirklich von pazifistischen oder revolutionären Ideen beeinflussen. Am 15. Mai wird Nivelle durch Pétain abgelöst. Dieser beendet die sinnlosen Offensiven, lässt aber im Kriegsrat strenge Maßnahmen gegen die hauptsächlichen Rädelsführer ergreifen. Die Militärgerichte sprechen ungefähr 500 Todesurteile aus. In etwa fünfzig Fällen erfolgt die Hinrichtung. Gleichzeitig verbessert er die Lebensbedingungen der Poilus. Er schafft militärische Kooperativen, reformiert die Vorschriften und die Organisation des Urlaubs, nimmt den Kampf gegen den Alkoholismus auf. Allmählich nehmen die Akte des Ungehorsams ab. Pétain organisiert jetzt zwei begrenzte Offensiven, die militärische Erfolge werden und den Soldaten, den Menschen hinter der Front und den Alliierten das Vertrauen zurückgeben. Am 23. Oktober beginnen die Franzosen den Angriff auf das Fort de la Malmaison, Vorspiel zur Rückeroberung des Chemin des Dames. Schmutz, Regen, Bombardierungen, Gas Nach ihrer Offensive im Artois unternehmen die Briten gemeinsam mit zwei portugiesischen Divisionen - Portugal ist im März 1916 in den Krieg eingetreten - zwei neue Angriffe auf den Saillant von Ypern, im Juni und Juli 1917, um die Franzosen zu entlasten. Die Kämpfe dauern bis in den November. Aber der Schmutz, der Regen und die unaufhörlichen Bombardierungen, zum ersten Mal unter Verwendung von Senfgas durch die Deutschen, bringen den Angriff der Engländer ins Stocken, die nur 8 km vorrücken, wobei 300000 Männer kampfunfähig werden. Trotz dieser Verluste unternimmt General Haig im November in Cambrai einen neuen Angriff. Die ungenügenden Reserven an Soldaten und Panzern verhindern die Ausnutzung eines Vorstoßes von 10 km. Haig verliert das wenige Vertrauen, das der britische Premierminister, Lloyd George, noch in ihn setzte. An der Ostfront haben die russischen Opfer - fast eine Million Gefallene - bei der Offensive von General Brussilow von Juni bis September 1916 für Unruhe gesorgt, und bald verweigern die Truppen den Krieg. Am 12. März 1917 macht die Garnison von Petrograd einen Aufstand. Damit beginnt die russische Revolution. Kerenski, der neue Ratspräsident, und Brussilow organisieren neue Offensiven, die von den Deutschen aufgehalten werden. Das Chaos zieht in Russland ein, und am 7. November 1917 übernehmen Lenin und die Bolschewiken die Macht. Im Dezember 1917 wird der Waffenstillstand mit den Österreichern und Deutschen unterzeichnet. Russland ist die erste der großen Kriegsmächte, die nachgibt und einen Separatfrieden anbietet. Obwohl die griechische Regierung unter Venizelos den Mittelmächten am 29. Juni den Krieg erklärt, ermöglicht es der russische Zusammenbruch den Österreichern und Deutschen an der Front im Orient, sich gegen Rumänien zu wenden, das im Dezember einen Waffenstillstand unterzeichnen muss. Dagegen entlastet der russische Waffenstillstand die Türkei, die allerdings den Engländern im März Bagdad und im Dezember Jerusalem abtreten muss.

Im Frühjahr 1917 und dann im August nimmt Italien an den alliierten Offensiven am Isonzo teil. Aber es sieht sich Demonstrationen und Streiks der Bevölkerung ausgesetzt und bekommt mit voller Wucht die Folgen der russischen Revolution zu spüren. Mit den Österreichern, die ihre besten Truppen von der russischen Front abgezogen haben, und der deutschen 14. Armee will Ludendorff der italienischen Front den Todesstoß versetzen. Am 24. Oktober wird die 2. italienische Armee in Caporetto zerstört. Das Desaster ist komplett. Der Rückzug wird an der Piave dank der Hilfe von 11 französischen und britischen Divisionen gestoppt. Der Kriegsaustritt Russlands wird durch die Ankunft der ersten amerikanischen Truppen kompensiert.

Die amerikanische Entscheidung beruht nicht nur auf politisch - kulturellen Affinitäten mit der Entente oder der Ablehnung des deutschen Imperialismus, Gründe sind auch wirtschaftliche und politische Erwägungen. Eine Niederlage der Alliierten hätte negative Auswirkungen auf die Rückzahlung der enormen Darlehen, die von den Amerikanern gezahlt worden waren. Eine längere Neutralität würde die Vereinigten Staaten daran hindern, ihre Rolle in der Weltpolitik zu stärken. Hinzu kommt der Druck der öffentlichen Meinung in Amerika, die wegen der deutschen U-Bootangriffe gegen die Handelsschiffe der neutralen Staaten und durch die deutschen Bündnisangebote an Mexiko aufgebracht ist. Aber die militärische Hilfe Amerikas ist nicht sofort entscheidend. In der ersten Zeit besteht der Beitrag der Vereinigten Staaten in massiven Lieferungen von Material und Proviant nach Europa. Aber im Lauf der Monate gewinnt die militärische Präsenz größere Bedeutung, und Ende 1917 sind ungefähr 150 000 Amerikaner in Frankreich. Allerdings neigt sich die Waagschale in Bezug auf die Truppenstärke immer zugunsten Deutschlands. Die deutschen U-Boote bedrohen weiterhin die Versorgungslinien der Alliierten. Russland hat sich aus dem Konflikt zurückgezogen, und die Deutschen, die ihre Truppen von Osten nach Westen verlegen, haben wieder die größere Truppenstärke. An der Westfront stehen vier Deutsche drei Alliierten gegenüber. In der Hoffnung, diesen Vorteil auszunutzen, bereitet Ludendorff eine Offensive vor der Ankunft von Massen amerikanischer Truppen vor, die entscheidend sein soll, während General Pétain, nachdem er die schwere Krise der Armee erstickt hat, erklärt, er wolle "auf die Amerikaner und die Panzer warten". Zum Ende dieses unsicheren Jahres und nach einer Regierungskrise wird Georges Clemenceau am 14. November zum Ratspräsidenten ernannt und erklärt seinen festen Willen, das Land zum Sieg zu führen.

Die Kanadier in Vimy



Ostermontag. 9. April. 4 kanadische Divisionen unter dem Kommando von Generalleutnant Sir Arthur Currie nehmen den Kamm von Vimy im Pas-de-Calais im Sturm ein, unter Sturmböen mit Schnee- und Graupelschauern. Vier Tage später ist der Feind 10 Kilometer zurück gedrängt worden, wobei 3 598 Kanadier ihr Leben lassen mussten. Zu Ehren ihrer Landsleute, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben und vor allem derer, die gefallen sind, haben die Kanadier auf dem Kamm von Vimy ein Ehrenmal errichtet. Es wurde von dem Architekten Walter Allward entworfen und 1936 eingeweiht. Auf seinem Sockel stehen die Namen der 11 285 Kanadier, die in Frankreich gefallen sind und deren Grab nicht bekannt ist. Auf einem der kanadischen Friedhöfe der Umgebung wurde die sterbliche Hülle eines nicht identifizierten Soldaten ausgewählt, um alle Kanadier zu repräsentieren, die seit der Gründung der Konföderation im Jahr 1867 gekämpft haben. Am 25. Mai 2000 wurde diesem unbekannten Soldaten am Fuß des Ehrenmals die Ehre erwiesen, bevor sein Sarg nach Ottawa überführt wurde, um an dem kanadischen Kriegsehrenmal beigesetzt zu werden. Der Sarg aus Granit aus Québec wird hier die sterblichen Überreste des Unbekannten von Vimy auf ewig bewahren.

Georges Guynemer



1914 will sich Georges Guynemer freiwillig melden. Wegen seiner schwachen Gesundheit verweigert ihm die Infanterie und dann die Kavallerie die Aufnahme, schließlich geht er zur Luftwaffe. Nach der Ausbildung im Juni 1915 tritt er in Valenciennes in die Staffel der Cigognes ein. Am 19. Juli 1915 erringt er seinen ersten Sieg. Er wird zum Unteroffizier befördert und erhält den Orden der Ehrenlegion als Belohnung für seine Energie. Am 12. März 1916 wird er an der Front von Verdun verwundet. Er nimmt den Kampf im Mai 1916 wieder auf und zwar in der Schlacht an der Somme, und fliegt 21 offizielle Siege in 6 Monaten. Am 5. Juli 1917 wird Hauptmann Guynemer Offizier der Ehrenlegion. Die Zeitungen machen ihn in ganz Frankreich berühmt. Im Juli 1917 wird die Staffel nach Flandern verlegt. Inzwischen zum Kommandanten befördert, erringt er 54 Siege. Am 11. September 1917 startet er von Saint-Pol-sur-Mer nach Poelcapelle in Belgien. Nach Aussagen der Deutschen wird er von einem ihrer Flugzeuge abgeschossen. Eine deutsche Patrouille entdeckt seinen Leichnam und nimmt seine Papiere an sich. Aber in der Nacht vom 11. auf den 12. September wird das Gelände durch ein schweres Artilleriegefecht aufgewühlt. Die Leiche des Piloten verschwindet. Die Devise "Biete der Gefahr die Stirn" dieses legendären Helden der französischen Luftwaffe ist von der Fliegerschule übernommen worden.

Die Panzer fahren zum Angriff



Der Krieg im Schützengraben, der seit dem Herbst 1914 auf den Bewegungskrieg gefolgt ist, macht den Durchstoß an der Westfront schwierig. Ein französischer Offizier, Oberst Estienne, ist davon überzeugt, dass diejenigen siegen werden, die Kanonen auf gepanzerte Fahrzeuge montieren. Schüler der Ecole polytechnique mit 19 Jahren, Mathematiker und begeisterter Anhänger der neuen Techniken, denkt er sich ein mit einer Kanone bewaffnetes Panzerfahrzeug aus. Anfang 1917 verfügt die französische Armee über 208 Panzer ("tanks"), dem 13,5 Tonnen - Schneider und dem 23 Tonnen - Saint-Chamond.

Bei der Nivelle - Offensive in Richtung des Chemin des Dames werden die ersten Panzer eingesetzt, die als "Angriffsartillerie" bezeichnet werden. Aber die eingesetzten Panzer von Schneider sind schwer, schlecht zu handhaben und verwundbar mit ihren vorne angebrachten Benzintanks: 60% von ihnen werden zerstört. Trotz ihres Misserfolgs war diese "Premiere" aber "der Zeitpunkt und der Ort der Geburt der späteren französischen Panzerarmee", wie es General Jean Delmas, der frühere Dienst habende Chef des historischen Dienstes des Heeres ausdrückte. In den darauf folgenden Operationen zeichnen sich die Panzer vor allem bei der Offensive von Malmaison am 23. Oktober 1917 aus. Dass sie von Nutzen sind, insbesondere die leichten Panzer FT 17 Renault (8,5 Tonnen) zeigt sich auch bei den Kämpfen im Jahr 1918. "Früher war der Tod die grausame Fremde, die Besucherin auf leisen Sohlen. Heute ist er der wütende Haushund" Georges Duhamel, Das Leben der Märtyrer - 1917.
Quelle: Zeitschrift "Les Chemins de la Mémoire" (Die Wege der Erinnerung) Nr. 115 - März 2002 für MINDEF/SGA/DMPA